Auf den ersten Blick vielleicht nicht viel. Beim Gastvortrag von Oguzhan Yilmaz, Principal Enterprise Architect bei SAP, wurde jedoch schnell deutlich: Alle drei Unternehmen setzen Künstliche Intelligenz ein, um Prozesse zu automatisieren, Mitarbeitende zu unterstützen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.
Der Vortrag fand am 29. Juni 2026 im Rahmen der Lehrveranstaltung „Wirtschaftsinformatik“ von Prof. Dr. Olexiy Khabyuk im Studiengang „Kommunikations- und Multimediamanagement“ statt. Im Mittelpunkt standen grundlegende Fragen: Wie funktioniert Künstliche Intelligenz eigentlich? Was kann KI leisten – und wo liegen ihre Grenzen? Und wie verändert sie Unternehmen und Arbeitswelten?
Zu Beginn erläuterte Oguzhan Yilmaz, was unter Künstlicher Intelligenz zu verstehen ist: KI bezeichnet Systeme, die Aufgaben ausführen, für die normalerweise menschliche Intelligenz erforderlich ist. Anders als klassische Software arbeitet moderne KI nicht ausschließlich mit fest vorgegebenen Regeln, sondern lernt aus Beispielen. Der Referent verglich dies anschaulich mit einem Kind, das immer wieder das Wort „Hund“ hört und irgendwann selbst Hunde erkennen kann.
Moderne KI basiert auf Algorithmen, also Rechenverfahren, die durch wiederholtes Training mit großen Datenmengen verbessert werden. Dabei lernen Modelle Muster zu erkennen und auf dieser Grundlage Wahrscheinlichkeiten vorherzusagen – etwa bei der Autovervollständigung von Nachrichten. Historisch knüpfte der Vortrag an Alan Turings berühmte Frage aus dem Jahr 1950 an: „Can machines think?“
Ein wichtiger Teil des Vortrags war die Unterscheidung zwischen Training und Nutzung von KI. Das Training großer Modelle ist sehr aufwendig, teuer und kann Wochen dauern. Nach dem Training ist das Wissen des Modells zunächst „eingefroren“. Die spätere Nutzung, auch Inferenz genannt, besteht darin, auf Basis dieses gelernten Wissens neue Eingaben zu verarbeiten und passende Ausgaben zu erzeugen.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um Text. Dasselbe Prinzip funktioniert auch mit Bildern, Stimmen und Videos. Bildgeneratoren wie Midjourney, Videomodelle wie Sora oder multimodale Systeme wie Gemini zeigen, dass KI unterschiedliche Datentypen verarbeiten und kombinieren kann. So können moderne Modelle beispielsweise ein Foto analysieren und dazu eine Textantwort erzeugen.
Ein anschauliches Praxisbeispiel war der Hautscan von Douglas. Dabei handelt es sich um Computer Vision: Eine KI erkennt Muster in Bildern, ähnlich wie ein Sprachmodell Muster in Texten erkennt. Zugleich wurde deutlich, dass dieselbe technologische Grundlage auch Risiken birgt – etwa durch Deepfakes, synthetische Stimmen, manipulierte Fotos oder gefälschte Videos.
Im weiteren Verlauf ordnete Oguzhan Yilmaz verschiedene KI-Typen ein: von sogenannter Narrow AI, die auf klar abgegrenzte Aufgaben spezialisiert ist, bis hin zu agentenbasierten KI-Systemen, die komplexere Aufgaben eigenständiger planen und ausführen können. Dabei wurde auch diskutiert, was KI heute bereits leisten kann und was nicht. KI kann Muster erkennen, Informationen strukturieren, Vorschläge machen und Prozesse beschleunigen. Sie versteht jedoch nicht im menschlichen Sinne, kann Fehler machen und benötigt weiterhin Kontrolle, Kontext und Verantwortung durch Menschen.
Besonders praxisnah wurde der Vortrag beim Blick auf den Einsatz von KI in Unternehmen. Am Beispiel von SAP zeigte der Referent, wie KI in Geschäftsprozesse integriert werden kann – etwa zur Automatisierung wiederkehrender Aufgaben, zur Unterstützung von Entscheidungen oder zur Verbesserung von Kunden- und Mitarbeitendenerfahrungen. Die langfristige Vision ist dabei das „autonomous enterprise“: ein Unternehmen, in dem intelligente Systeme Prozesse zunehmend selbstständig steuern und optimieren.
Der Gastvortrag machte deutlich, dass Künstliche Intelligenz kein abstraktes Zukunftsthema mehr ist. Sie ist bereits heute Teil vieler Unternehmensprozesse und beeinflusst, wie Organisationen arbeiten, Entscheidungen treffen und neue Angebote entwickeln. Gleichzeitig zeigte der Vortrag, dass der verantwortungsvolle Umgang mit KI ebenso wichtig ist wie das technische Verständnis ihrer Möglichkeiten.
Für die Studierenden bot der Vortrag damit einen fundierten und praxisnahen Einblick in ein Thema, das die Arbeitswelt der kommenden Jahre entscheidend prägen wird.
Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften dankt Herrn Oguzhan Yilmaz für sein Engagement!